Beständigkeit

Lehm und mit Lehm gebundene Baustoffe sind im Prinzip wasserlöslich. Wenn gehärteter Lehm mit ausreichend Wasser bearbeitet wird, wird die durch das Trocknen entstandene Festigkeit wieder aufgehoben und das Material wird wieder plastisch und formbar. So gesehen ist Lehm das einzige Baumaterial, das unbeschränkt und ohne Qualitätseinbußen wieder verwendet werden kann. Diese Wasserlöslichkeit bringt für die Wetterfestigkeit von Lehmbauten natürlich eine Problematik mit sich, und viele Versuche und Entwicklungen gehen dahin, dem Lehm die Wasserlöslichkeit zu nehmen, ihn resistenter gegen Feuchtigkeit zu machen. Durch Zusätze etwa durch Zementbeigaben ist dies zwar möglich, dadurch werden aber andere, wesentliche Eigenschaften des Lehms beeinträchtigt.

Dabei lässt sich die Wetterfestigkeit auch konstruktiv verbessern. Erosion entsteht immer dann, wenn Wasser abfließt. Fließt das Regenwasser in der Fassade zu schnell ab, reißt es Material mit, läuft es hingegen langsamer ab, bleibt entsprechend mehr Lehm zurück. Deshalb werden in einer Stampflehmmauer Erosionsbremsen eingebaut, um die Fließgeschwindigkeit des Wassers entlang der Mauer zu verlangsamen. Diese horizontalen Schichten können aus vorstehenden Steinen oder gebrannten Ziegeln bestehen, alternativ auch als bündig in die Wand integrierte Lagen aus Trasskalkmörtel. Bei allen Konstruktionen ist die Wirkung dieselbe: Der Wasserfluss wird gebremst und damit auch die Erosion.

Dem Material selbst wohnt eine natürliche Erosionsbremse inne: Nach den ersten Jahren wird die oberste, feine Lehmschicht ausgewaschen, die Steine kommen zum Vorschein und die Mauer wird rauer. Dadurch bewahrt sich die Wand selbst davor abgetragen zu werden, denn die freigelegten Kiesel stabilisieren die Wand. Die zwischen den Steinen verbleibenden Lehmfugen liegen jetzt tiefer in der Wand und quellen bei Regen auf. Dieses Quellen des Lehms verhindert, dass Wasser tiefer in die Wand eindringt. Dadurch kommt die Erosion zunehmend zum Ruhen. Da dieser Prozess vorausgesehen und durch die Bremsen gesteuert werden kann, ist von einer kalkulierbaren, beziehungsweise vor einer kalkulierten Erosion die Rede. Sie muss technisch und gestalterisch in die Planung einbezogen werden. Und sie führt dazu, dass eine Stampflehmwand Jahre benötigt, bis sie sich in ihrer fertigen Oberfläche präsentiert.

Lehm weist eine Gleichgewichtsfeuchte von 6% bis 7% auf, er ist also trockener als Holz, hat jedoch die Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Luft sehr rasch aufzunehmen, aber auch sofort wieder abzugeben. Trotz dieser schnellen Abtrocknung muss bei Lehmkonstruktionen vor allem die Durchfeuchtung von oben und aus dem Fundament durch konstruktive Vorkehrungen sorgfältig vermieden werden.

Zur Vermeidung aufsteigender Feuchte werden Stampflehmwände auf gestampfte Betonsockel aufgesetzt, die 35cm aus dem befestigten oder unbefestigten Boden herausragen. Als horizontale Isolierung zwischen Beton und Stampflehm dient etwa eine Bitumenschicht V60. Zur Abdeckung der Mauerkronen und der Außenseiten von Parpetten sind Verblechungen, Stahlplatten oder keramische Platten erforderlich mit Vorsprüngen von 5cm bis 15cm, je nach Wandhöhe. Die Stürze für Fenster- und Türöffnungen werden während der Stampfarbeiten miteingebaut und die Lasten seitlich abgeführt. Sturzunterkanten werden in Beton als Fertigteil oder in Stahl ausgeführt. Bei größeren Toröffnungen oder Fensterbändern werden armierte Betonriegel in Ortbeton in die Stampflehmwand integriert.

Lehm Ton Erde